lunes, 8 de enero de 2018

Interview mit Johannes Martin Kränzle

Photos:Portrait professional: Challange Records Inc, Gunther in “Götterdämmerung“ with Lance Ryan Staatstheater Wiesbaden. Foto: Barbara Aumüller; Ford in “Falstaff“ with Craig Colclough, at the Opera Vlaanderen Antwerpen. Foto: Annemie Augustijns

Oxana Arkaeva

Sie haben in den letzten Jahren eine beachtliche Karriereentwicklung gemacht? Sind Sie mit dieser Entwicklung zufrieden?

Ja, ich bin zufrieden. Vor ungefähr 12 Jahren habe ich angefangen Wagner zu singen, ein Repertoire, das den deutschen Sänger den internationalen Markt eröffnet. Sie bekommen dadurch, mehr Gelegenheit im Ausland zu gastieren. Dank dieser Tatsache hat auch meine Karriere vor ca. 12 Jahren einen neuen Schub bekommen. Ich bin aber nicht nur zufrieden, sondern auch dankbar. Wenn man anfängt, dieses Fach zu studieren, kann man nie genau wissen, wie weit man damit kommen kann. Man rechnet nicht damit, dass man in New York an der MET oder hier in Bayreuth landen kann. Beiden, insbesondere hier in Bayreuth, sind Traumhäuser für einen Sänger. Wenn dann eines Tages MET anruft, denkt man erst es wäre ein Scherz. Aber, wie wir sehen, können Träume auch wahr werden.



Ist Bayreuth der Höhepunkt dieser Entwicklung?

Zumindest ein der Höhenpunkte. Für Wagner Repertoire ist Bayreuth ein der wichtigsten, oder das wichtigste Haus weltweit. Bayreuth ist ein eigenes Universum, das durch die künstlerische und musikalische Zusammenarbeit und Miteinander viele großartigen Künstler zu einem Höhenpunkt der Opernsommer Europas wird.

Gäbe/gibt es eine Steigerung oder sind Sie an dem Point of no Return Ihres beruflichen Werdeganges angekommen?

Nein, definitiv nicht. Ich bin diesbezüglich noch nicht fertig. Man entwickelt sich immer weiter. Es sind verschiedene Aspekte, die eine Steigerung im beruflichen Leben definieren. An der ersten Stelle steht die Qualität der Produktion im Vordergrund, und nicht die Größe des Hauses. Die hervorragende Qualität trifft man nicht nur an den großen Häusern, sondern auch an den kleinen Bühnen. An der zweiten Stelle steht das Team, mit dem ich arbeite: Regisseure, Kollegen, Dirigenten. Denn wenn man sich miteinander menschlich und künstlerisch gut versteht,, ist es großartig. Das alles muss für mich stimmen, genau wie hier in Bayreuth. Nach der Zusammenarbeit mit solch einem großartigen Regisseur wie Berry Kosky entwickelt sich allerdings zu einem Qualitätgourmand. Sicher wird es für mich nicht leicht werden, eine andere Produktion von „Die Meistersinger“ mit einem andren zu machen, denn Kosky hat Masstabe gesetzt. An der zweiten Stelle steht das Team, mit dem ich arbeite: Regisseure, Kollegen, Dirigenten. Denn wenn man sich miteinander menschlich und künstlerisch gut versteht, ist es großartig.  An der dritten Stelle kann ich sagen, dass es nicht immer eine neue Rolle sein muss. Gerne nehme ich bereits gesungenen Partien wieder auf.

ie betonen gerne, Sie seien nicht nur ein Wagner-Sänger. Wäre es so schlimm nur Wagner zu singen?

Nicht schlimm, aber ermüdend. Psychisch und physisch. Von dem Stilistischen und Stimmlichen her erfordert Wagner eine eigene Ästhetik, Ausdauer, Dynamik und Sprache. Denn seine Musik ist oft andauernd laut. Wenn man dann dazwischen keinen anderen Komponisten singt, fällt man schnell in das Deklamieren im Gesang, in den Sprechgesang. Deswegen versuche ich immer wieder Verdi oder auch Mozart singen, denn sie bringen einen zurück in die Cantilena und Legato. Insbesondere Mozart ist ein Balsam für die Stimme.

Wie würden Sie Ihre Arbeit, die Atmosphäre bei der aktuellen “Meistersinger” Produktion beschreiben? Was war besonders/anders?

Es war durchgehend eine tolle Stimmung. Berry Kosky hat eine unglaublich positive, ironische, witzige Art zu proben. Dazu kommen ein großartiges Sängerteam und die Rolle selbst, die eine witzige, melancholische, tragikomische Seite aufweist. Beckmesser ist ein Mensch, der gequält, verspottet und verachtet wird. Die Parallelen, die Kosky zum jüdischen Dirigenten Levi zieht, sind, zu nachvollziehen. Wagner, der ihn geschätzt hat, hat ihn nichtsdestotrotz immer wieder verspottet und mit Genuss leicht gequält. Die Tatsache, dass beiden, Levi und Backmesser, sich auf eine ziemlich masochistische Art auch quälen gelassen haben, bildet, meiner Meinung nach, einen neuen Gesichtspunkt dieser Rolle.

Wie viel Beckmesser steckt im Kränzle und wie viel Kränzle steckt im Beckmesser?

Die Rolle liegt mir sehr, aber ich denke nicht, dass ich solch ein trauriger, einsamer Mensch bin. Beckmesser ist ein Mensch, der gequält, verspottet und verachtet wird und Kosky hat mich mit seiner Ansätze zu der Figur völlig überzeugt. Mein privat Leben ist allerdings völlig anders, als das vom Beckmesser. Und ich glaube, dass ich eher ein zufriedener, integrativer Typ, und nicht ein separierender Mensch bin.

Welche ist die größte sängerische sowie darstellerische Herausforderung bei solch einer Partie? 

Die Komik, sie ist solch eine Herausforderung. Denn sie kann nur dann entstehen, wenn der Darsteller auf der Bühne komplett ernst agiert. Die Komik entsteht aus der Situation und nicht weil Darsteller sich wie ein Clown benimmt. Damit es den Zuschauern als komisch erscheint, sind die Ernsthaftigkeit und die Timing extrem wichtig. Und es ist befriedigend zu hören, dass das Publikum lacht, wenn auch aus Schadensfreude. Eine weitere Herausforderung liegt in der Partie selbst, denn Beckmesser sehr viel und in der hohen Lage schimpfen muss. Wenn man nicht aufpasst und zu viel Gas gibt, wird man sehr schnell müde. Die Rolle ist extrem intensive, oft klein eingeteilt und am Stück ohne Pausen. Auch künstlerisch muss der Sänger es schaffen können einen Raum, eine bestimmte Atmosphäre um die Figur zu erschaffen.

Ihre Gesundheit in den vergangenen drei Jahren war und ist ein Thema vieler Interviews. Wie stark nervt Sie das? Sind Sie so was wie ein Hoffnungsträger für viele oder würden Sie das Thema gerne endlich hinter sich lassen? Einen Schlussstrich ziehen?

Nein, es nervt mich nicht und ich will/kann auch kein Schlussstrich ziehen. Was mich allerdings nerven würde, wenn ich praktisch immer nur damit verknüpft werde: „Das ist der Sänger, der eben sehr lange krank war“. Ich merke aber, dass nach drei Jahren die Fragen diesbezüglich deutlich nachlassen. Natürlich fragen sich die Theaterprofis, wie es mir geht? Aber ich möchte anhand meiner Leistung beurteilt werden und kein falsches aufbauendes Mitleid unter dem Motto “dafür, dass er so krank war, singt er ordentlich“ hören. Viele Menschen, die nicht wissen, dass ich so schwer erkrankt war, merken es auch nicht. Die hören eben den „alten Martin“ und das ist großartig und befriedigend.

Außerhalb des Sängerberufes, wie sieht der Alltag vom Martin Kränzle aus?

Seitdem ich wieder aktiv singe, ist mein Alltag durch meinen Beruf bestimmt. Immer wieder eine neue Stadt, eine neue Wohnung, neue Partie, Proben, Vorstellungen. Während der Proben habe ich nicht so viel freie Zeit. Bei den Vorstellungen eher mehr. Dann reise ich in der Gegend herum, schaue mir neue Städte an. Mit meiner Freundin Lena machen wir ganz viel zusammen. Sie ist eine freiberufliche Sängerin und wir versuchen und immer wieder die Zeit nehmen und zusammen viel zu unternehmen. Im Sommer, in Bayreuth waren meine Kinder und meine Mutter dabei, die auch eine Vorstellung besucht haben. Es ist schön, meine Familie um mich herum zu haben. 

Wenn Sie in die Zukunft schauen, wie sieht diese aus?

Dazu kann ich nicht viel sagen, das weiß ich nicht. Das liegt auch darin, dass ich immer wieder ein Auge auf meine Gesundheit werfen muss. Nach solch einer Erkrankung lebt man in jetzt und schaut man nicht unbedingt in die Zukunft. Man kann schon Pläne machen, aber man sollte bescheiden bleiben. Ich sehe trotzdem positiv in die Zukunft, bin privat glücklich und beruflich kommen sehr schöne Engagements auf mich zu.

Und zurück zum Wagner. Welche Partie steht als nächste vor?

Keine neue Wagner Partie. Ich habe aber schon sehr viele Wagner gesungen. Die ganz hoch dramatischen Partien wie Hans Sachs, Holländer oder Wotan sind sowieso nichts für mich. Amfortas würde ich noch mal singen wollen, denn ich habe es nur ein Mal singen dürfen, und bin dann krank geworden. Meine nächste neue Rolle wird im Janacek’ s „Aus dem Totenhaus“ sein, sowie die Wiederaufnahme als Ford in „Falstaff“.

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